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BMBF
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Alpine Naturgefahren im Klimawandel -

Deutungsmuster und Handlungspraktiken vom 18. -21. Jahrhundert

Call for Papers
Klimawandel im Umgang mit Naturgefahren
13. Mrz 2014, Messe Salzburg

Die paradigmatische Ausgrenzung des Gegenstands „Natur“ beeinflusst noch heute die Forschung zur menschlichen Umwelt in den Sozialwissenschaften. Nach einer langen Phase der Randexistenz erwachte das Interesse an einer adquaten theoretischen Rahmung des Themas erst angesichts sich zuspitzender kologischer Probleme und der zunehmenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung wieder. Bis heute tut sich die Forschung jedoch schwer, fr zentrale soziale Fragestellungen mit Bezug zur Umwelt adquate wissenschaftliche und fr die Praxis nicht nur relevante, sondern auch konkret anwendbare Konzepte und Lsungen zu entwickeln und/oder deren Relevanz in die Praxis hinein zu kommunizieren.

Die gesellschaftliche Debatte scheint unterdessen die sozialwissenschaftliche Realitt zu berholen: Die Diskussion um den Klimawandel oder gar die Figur des „Anthropozns“ lassen eine neue ra des gesellschaftlichen Verhltnisses zur Natur erahnen – in den Naturwissenschaften, in der Politik, in den Massenmedien. Nach einer langen Phase der Zentrierung auf eine technokratische Unterwerfung „der Natur“ erscheint vor diesem Hintergrund auch die Frage nach einer Neuausrichtung des Verhltnisses zur eben keineswegs von allen Akteuren einheitlich verstandenen Natur wieder als bedeutsam.

Zwei Themenfelder prgen diese Debatte im Besonderen. Whrend die insgesamt unkontrollierbare menschliche Umwelt den Menschen schon immer herausforderte, rahmt nun der Klimawandel zumindest diskursiv diese Herausforderungen als „Naturgefahren“ neu. Es stellt sich die Frage, ob sich damit auch die gesellschaftlichen Vorstellungen von Natur weiter ausdifferenzieren und somit das dominante reduktionistische Verstndnis aufbrechen. Der Fokus dieser Tagung liegt auf gesellschaftlich geforderten, auf anstehenden und bereits stattfindenden Transformationen von Diskursen als auch auf dem praktischen Umgang mit Natur in Bezug auf Naturgefahren.

Whrend beide Themen, Naturgefahren und der Klimawandel, fr sich genommen bereits komplex sind, grndet besonders in ihrer spezifischen Verbindung eine Herausforderung fr die Gesellschaft in all ihren Facetten. Diese Aufgabe betrifft lokale Akteure wie Einzelpersonen, zivilgesellschaftliche Akteure, Institutionen, Kommunen und Stdte ebenso wie Nationalstaaten und berstaatliche Organisationen. Es handelt sich auch deshalb um einen komplexen Gegenstand, da der Klimawandel nicht nur naturwissenschaftlich umkmpft ist, sondern insbesondere seine sozialen und kulturellen Interpretationen sowie die daraus folgenden Implikationen gesamtgesellschaftliche Konsequenzen zeitigen. Demgem haben wir es nicht nur mit einem politischen Governance- und Gerechtigkeitsproblem zu tun, sondern es stellt sich ebenso die Frage nach der kulturellen Produktion und Verhandlung von Deutungen und der Vernderung von Handlungspraktiken im Umgang mit – im Klimawandel neu figurierten – „Naturgefahren“ und den dabei entstehenden Chancen, Risiken und Lasten.

Die Tagung verortet sich innerhalb dieses bewusst weit gefassten Rahmens. Sie will diesen, ausgehend von der Annahme, dass der Kontrast neue Impulse generieren kann, aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und fllen. So sollen

  • grundlegende aktuelle Deutungsmuster kritisch hinterfragt werden, die eine Vernderung gesellschaftlicher Naturverstndnisse konstatieren oder negieren und auf ihren ggf. ideologischen Gehalt, aber auch ihre realen Konsequenzen hin hinterfragt werden,
  • naturwissenschaftliches Wissen und lokales, lebensweltlich verankertes Wissen in Bezug auf die Konstruktion, die Wahrnehmung von und den Umgang mit Natur kontrastiert und reflektiert werden,
  • lokale Besonderheiten der Auseinandersetzung um den deutenden und handelnden Umgang mit Natur nicht als Ausnahme des fragmentierten Diskurses begriffen werden, sondern als Regel. Damit erscheinen Machtverhltnisse in den Verhandlung sowohl auf einer handlungspraktischen Ebene, wie auch auf der Ebene der Durchsetzung von Deutungen als relevant.
  • Weiterhin soll ergrndet werden, inwieweit ein diesbezgliches Lernen aus der Vergangenheit mglich ist und inwiefern es sich als sinnvoll angesichts der neuen Herausforderungen erweisen kann.


Von Interesse sind Beitrge, die theoretisch, empirisch oder aus Sicht der PraktikerInnen die Themen Natur, Naturgefahren und Klimawandel behandeln. Besonders erwnscht sind Beitrge, die Zusammenhnge und Wandelprozesse reflektieren und/oder theoretische Anstze erarbeiten oder kritisch reflektieren, um die Transformationsprozesse in der Deutung und handelnden Bewltigung von Natur und Naturgefahren zu verstehen. Sie knnen Einblicke in Theorien der Naturgefahren und des Klimawandels bieten, kulturhistorische Analysen prsentieren oder rumliche Vergleiche von Verhandlungen vornehmen. Dabei sind Fallbeispiele aus dem europischen ebenso willkommen wie aus dem auereuropischen Raum, insbesondere aus den Lndern des so genannten globalen Sdens. Explizit mchten wir auch Nachwuchswissenschaftler/innen einladen, Beitrge einzureichen. Die Konferenz wird parallel zur Messe Acqua Alta Alpina vor Ort stattfinden, ist jedoch nicht Teil des offiziellen Programms der Messe. Die Tagung wird weiterhin in Assoziation mit der Abschlussveranstaltung des Forschungsprojektes „Alpine Naturgefahren im Klimawandel“ stattfinden und am Tag zuvor explizit praxisrelevante sozialwissenschaftliche Perspektiven beleuchten. Sie wird durch ProjektmitarbeiterInnen des von KatNet-Mitgliedern initiierten Projekts „Alpine Naturgefahren im Klimawandel“ vorbereitet.

Abstracts knnen bis zum 14.01.2014 per Email an Karsten.Balgarat[at]FU-Berlin.de eingereicht werden.

Zudem wird ein Sammelband unter dem Titel "Klima-Wandel im Umgang mit 'Naturgefahren'" angestrebt, der auf Basis der Vortrge und der Tagungsergebnisse Transformationsprozesse in der Deutung und der Handlungspraxis im Umgang mit "Naturgefahren" vor dem Hintergrund des Klimawandels beleuchtet. Zu diesem Zweck bitten wir die an einer Verffentlichung Interessierten darum, bereits im Vorfeld der Tagung (bis zum 14.02.2014, per Email an Karsten.Balgar[at]FU-Berlin.de) ausfhrlichere Thesenpapiere von etwa 2000 Wrtern einzureichen, die dann zu den Sammelbandbeitrgen weiterentwickelt werden.

Das Vorbereitungsteam freut sich auf eine spannende KatNet-Tagung!

KatNet – Netzwerk zwischen Forschung und Praxis – ist 2005 als interdisziplinres Netzwerk zur Katastrophenforschung mit Schwerpunkt auf Strkung des Austausches zwischen Forschung und Praxis gegrndet worden. Inzwischen sind ber 450 Wissenschaftler/innen und Praktiker/innen Mitglied bei KatNet und fhren eine intensive Diskussion ber komplexe Fragen rund um das Thema Katastrophe. KatNet bemht sich dabei insbesondere um die Integration praxisrelevanter Fragestellungen in die sozialwissenschaftliche Katastrophenforschung, sowie sozialwissenschaftlicher Perspektiven in das Katastrophenmanagement.

Downloads:
Call for Papers
zur 7. Katnet Tagung

Links zum Thema:
www.katastrophennetz.de

Freie Universität Berlin - Institut für Ethnologie Technische Universität München - Lehrstuhl Wald- und Umweltpolitik Universität Göttingen - Seminar für mittlere und neuere Geschichte Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL - Wirtschafts- und Sozialwissenschaften